Legislatives Theater BerlinMethode: Das Legislative Theater Berlin (LTB)wurde 2005 von Harald Hahn und Jens Clausen gegründet. Unter der Trägerschaft des Nachbar-schaftshauses Urbanstraße e. V. in Berlin-Kreuzberg konnte 2008 das erste legislative Theaterprojekt durch-geführt werden. Mit dem Projekt "DerFuß bist Du! Oder: Theater betritt Politik", dass prekäre Lebens- und Arbeits-situationen thematisierte, konnten zum ersten Mal Abgeordnete des Deutschen Bundestages in ein legislatives Theaterprojekt involviert werden. 2010 entstand ebenfalls unter der Trägerschaft des Nachbarschaftshauses Urbanstraße e.V. ein weiteres Projekt zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf undFamilie“. Hier nahm der Berliner Staatssekretär Rainer Maria Fritsch als Vertreter der Legislative teil.Berlin ist nicht Rio!Das Legislative Theater Berlin versteht sich als Weiterentwicklung des von Augusto Boal in Brasilien entwickeltenTheateransatzes “Legislatives Theater”.Das LTB experimentiert mit künstlerischen Ausdrucksformen, um außerparlamentarischen Initiativen und Bürgern und deren Anliegenpolitisches Gehör zu verschaffen.Der Dialog zwischen gewählten Abge-ordneten und der Bevölkerung mittels Kunst in ein zentrales Anliegen.Dieser Entwicklungsprozess ist nicht abgeschlossen, sondern entwickelt sich von Produktion zu Produktion weiter.Finanziert wurde das Legislative Theater Berlin bisher unter anderem von der Aktion Mensch "Die Gesellschafter",von der Stiftung "Menschenwürde und Arbeitswelt" und der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin. 2010 konnte die Friedrich-Ebert- Stiftung für ein weiteres Projekt gewonnen werden.Keine Gesetze über uns, ohne uns!Zielrichtung des LTB ist eine partizipative und kreative Form vonBürgerInnenbeteiligung. Wir wollen die BürgerInnen einbeziehen, die zwar vonGesetzen und deren Umsetzung betroffen sind, aber in der gesellschaftlichenDiskussion nicht oder selten zu Wort kommen. Hier versteht sich das LTB als ein„Politikdiskurs von unten“. Die Absicht oder Formulierung von Gesetzen sagtnichts über deren Wirksamkeit in der gesellschaftlichen Realität aus, in der sichGesetze bewähren müssen. Die davon Betroffenen sind meistens Experten ihresAlltags. Darum macht es Sinn, Betroffene, PolitikerInnen und Fachleutezusammenzuführen.Wir wollen uns mit dem LTB in die Gesellschaft einmischen und bestehendegesellschaftliche Ungleichheiten und Diskriminierung ansprechen und verändern.Dabei vertritt das LTB die Position derjenigen, die unter den gesellschaftlichenUngleichheiten und Diskriminierung zu leiden haben.Demokratie lebt von der Beteiligung der Zivilgesellschaft an Willensbildung undEntscheidungsprozessen. Da die Durchlässigkeit des Politikbetriebes in unsererDemokratie für Impulse außerhalb der etablierten Strukturen gering ist, verstehtsich das LTB als eine Möglichkeit, mit Theater in den öffentlichen Diskurseinzugreifen. Dabei ist das LTB weder eine soziale Bewegung, noch ist es einerPartei angeschlossen – wie der Gründer des Legislativen Theaters in Brasilien,Augusto Boal. Die Einflussmöglichkeiten auf die Gesetzgebung durch einzelneAbgeordnete sind in unserer parlamentarischen Demokratie begrenzt und dieBürgerInnen fühlen sich zunehmend mit ihrem Alltag allein gelassen oder von denParteien nicht mehr vertreten. Unserer Meinung nach führt das zurPolitikverdrossenheit.Wir wollen dem etwas entgegensetzen! Wir wollen mit Hilfe des TheatersPolitikerInnen und BürgerInnen in einen neuen Dialog auf Augenhöhe bringen. Das LTB kann als Theater keine Gesetze direkt verändern, aber es kann Impulse geben und eine öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen.Denn in der politischen Öffentlichkeit ist festgelegt, wer sich zu welchen Themenäußern darf, wer in der Debatte wahrgenommen wird und welche Positionendargestellt werden. Öffentlichkeit ist der Beginn politischer Veränderungen fürdiejenigen, die keine große Lobby haben und aufgrund von gesellschaftlicherUngleichheit oder Diskriminierung in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert sind.Deshalb schafft das LTB einen Raum für authentische Artikulation der Betroffenen. Das LTB ist eine lebendige alternative Form, um gesellschaftliche Teilhabe in derPolitik einzufordern – jenseits des Engagements in Parteien, Vereinen, Verbändenund Initiativen oder der direkten Einflussnahme durch Volksentscheide undPetitionen.Machen Sie mit!.