30 Tage ohne Auto in Berlin.
Das Experiment


Das Experiment zu unserer

Aufführung am 8. August zur autofreien Stadt
Ein:e Berliner:in verzicht für 30 Tage darauf, das eigene Auto zu benutzen und sich mit anderen Nahverkehrsmitteln oder zu Fuß im Alltag zu bewegen. Auf dieser Webseite können sie den Erfahrungsbericht lesen. Wir erhoffen uns für unsere Aufführung realitätsnahe Berichte, wie eine autofreie Stadt funktionieren kann oder muss.

3.Beim Laufen kommen die besten Erkenntnisse
Ich bin vor ein paar Jahren viel Gewandert, allerdings weit weg von der Zivilisation und befahrenen Straßen. Als ich nach Berlin gezogen bin hat sich das ziemlich gelegt, weil die U-Bahn doch praktisch ist. Oder weil einem in der Großstadt die Zeit fehlt? Was ich jedoch vergessen hatte war, dass einem beim Laufen die besten Einfälle kommen. Durch die Eindrücke, Begegnungen und Impressionen weitet sich unser Blick.
Durch das stille Hinnehmen der Geschehnisse kann man vieles in neuem Licht betrachten. ich hatte heute 5km von mir entfernt einen Termin. Meiner Karte zufolge genau 5km. Ich mag runde Zahlen und dachte es sei ein angenehmer Spaziergang. Schon beim Eingangstor des Gebäudes hätte eine Radfahrerin mir fast die Tasse Kaffee aus der Hand geschlagen, wenn ich es nicht hätte sehen kommen. Sie hat sich aber nett entschuldigt. Die Hermannstraße entlang, am Feld vorbei durch die Hasenheide.
Sonniger Sommermorgen. Ich beobachte wie sich mein Blick auf meine Umwelt verändert. In den letzten Tagen bin ich öfters darauf aufmerksam geworden, dass das was ich kenne und seit Ewigkeiten als normal wahrgenommen habe, es eigentlich gar nicht ist. Ich fange an viel mehr auf Details zu achten.
So sind mir heute beim Laufen einige Sachen klargeworden:

1. Dass wir mit „Vorsprung durch Technik“ eigentlich nur viel Stress an der Ampel und verdorbene Luft erreicht haben.
2. Es ist schon unfair wie viel Platz den Autos in der Stadt zusteht, während Passant*innen und Fahrräder sich die 10cm Bordstein teilen - so dass es immer wieder zu Zusammenstößen wie mit der Fahrradfahrerin heute Morgen kommt.
3. Seitdem ich eingezogen bin, steht bei mir im Innenhof ein grünes Fahrrad mit plattem Reifen. Ein alter Drahtesel mit kaputter Lampe, nicht abgeschlossen und verwahrlost. Wenn es heute Abend noch da steht, mach ich es wieder fit fürs Experiment.
Ich bin gefühlt entspannter durch meinen Tag gekommen. Hat zwar alles bissle länger gedauert, aber wenigstens habe ich meine Zeit nicht im Berufsverkehr vergeudet.

2.mit dem Tag durch die Öffis’
Ich muss ehrlich gestehen, ich benutze mein Auto in der letzten Zeit wenig. Am Wochenende um raus zu fahren oder wenn ich wirklich zu faul bin. Die Motivation für dieses Experiment liegt darin, neues zu lernen, meine „Automotive“ Umgebung genau unter die Lupe zu nehmen und meine Erfahrungen und Entdeckung zu teilen. Objektiv. Neutral.
Heute wäre ich zum Beispiel mit dem Auto gefahren. Ich musste für ein Kennlerngespräch und eine Projektvorstellung nach Bernau bei Berlin. Ich wusste es würde ein anstrengender und langer Tag werden. Laptop Tasche und Tee in der Thermos gepackt ging ich gegen 7 los. Mit einem „Die nächste U-Bahn Richtung Ostkreuz fällt wegen technischer Störung leider aus“ begrüßte mich die BVG und kurze Zeit später setzte die DB einen drauf mit „der Zug nach Bernau fällt wegen einer Baustelle aus. Bitte nehmen Sie stattdessen die S-Bahn“. Als ich auf die verspätete S-Bahn warte ging mir die Frage durch den Kopf, ob die Baustelle zum Aufheben einer technischen Störung dient. Der Zug war natürlich proppenvoll, so wie es sich bei Corona gehört, und ich musste stehen. Ich hatte Glück, dass zwei Stationen später ein Platz frei wurde, pünktlich zum: „Liebe Fahrgäste, wegen eines polizeilichen Einsatzes am nächsten Bahnhof müssen wir...“, ich verkniff mir den Gedanken: Vielleicht hat man die vorherige Bahn beim Rasen erwischt?
Der Tag nahm ein abrupten Twist als ich bemerkte, dass ich meinen Laptop zuhause liegen gelassen hatte und ohne Nix nicht bei dem Gespräch aufkreuzen konnte. Besonders nicht mit 50 Minuten Verspätung. Wenigstens war die Bahn auf dem Weg zurück gnädig mit mir und ich erwischte jede Verbindung. --

1.Beginn
Heute fängt mein Experiment “30 Tage Autofrei in Berlin” an.

Zur Person


Mein Name ist Fuks. Ich habe mit 18 Jahren meinen Führerschein fürs Auto gemacht und habe gute 5 Jahre sehr intensiv meine neu gewonnene “Freiheit” genossen - ausgelebt, savouré, cherished - wie man es ausdrückt ist jeder Person selbst überlassen. Ich bin viele verschiedene Autos gefahren. Wenn ich meine großen Reisen und das alltägliche Fahren zusammen rechne, sind das bestimmt über 1.000.000km gewesen. Alleine, mit Geliebten, Freunden, mit Tränen, Spaß, mit Hass oder mit Entspanntheit bin ich von A nach B, manchmal nach D aber nie ohne C zu verpassen. Das Auto hat mir Flügel gegeben und mich von zu Hause befreit. Da wo ich nicht sein wollte konnte ich im Wagen bleiben. Mir einen Raum schaffen, nach Innen sowie nach Außen - denn wollen wir nicht vergessen, dass das Auto doch immer schon das Statussymbol schlechthin war. Besonders in verschiedenen Kreisen. Ich habe mich jahrelang von dem Komfort der PS-Leistung, der Sitzheizung und dem Adrenalin-Push auf der Autobahn verführen lassen. Die Bässe und Schlaglöcher verschlungen. Habe viele erste Male im Wagen erlebt- vom Platten bis zum Riss. Habe unzählige Stunden im morgentlichen Berufsstau auf der A1 Richtung Stadtzentrum und bei Sonnenuntergängen mit gutem Beat und Zigarette verbracht. Das Auto half mir mich meiner Realität zu entziehen. Einer Realität, die ich vielleicht doch hätte ernst nehmen müssen.